Risikokompetenz

Die meisten Bergsportunfälle geschehen wegen mangelnder Risikokompetenz. Dazu gehören:

  • Wahrnehmungskompetenz: Gefahren erkennen
  • Beurteilungskompetenz: Gefahren richtig einschätzen
  • Entscheidungskompetenz: sicherheitsorientierte Entscheide fällen
  • Handlungskompetenz: Entscheide durch zielgerichtetes Handeln auch zu verwirklichen

Wahrnehmung

Bergwandernde sind sich der bestehenden Gefahren oft nicht bewusst. Sie entscheiden sich spontan für eine Bergwanderung, ohne sie zu planen, sind zu sorglos unterwegs, verlassen die markierten Wege, ohne die Konsequenzen zu bedenken. Oft fehlt es an Wissen und Erfahrung, um die Risiken und speziellen Gefahrenstellen vor Ort zu erkennen. Somit ist es auch nicht möglich, risikoreiche Situationen richtig einzuschätzen und dann entsprechend zu handeln.

Beurteilung

Immer wieder sind Berggänger auf den gewählten Touren überfordert, merken es aber manchmal selbst nicht oder zu spät. Sie schätzen entweder die eigenen Fähigkeiten (Kondition, Koordination) oder die Verhältnisse, das Wetter und die Anforderungen falsch ein. Sie überschätzen z. B. ihre Trittsicherheit und Kondition, unterschätzen den raschen Wetterwechsel im Gebirge oder können auf Unvorhergesehenes nicht angemessen reagieren. Gerade ältere Personen (besonders Männer) passen die Tour oft nicht an die verminderte Leistungsfähigkeit an, was zu Überforderung und vorzeitiger Ermüdung und in der Folge oft zu Stürzen führt.

Entscheidung

Um gute Entscheide fällen zu können, müssen Wandernde zuerst die Risiken wahrnehmen und richtig beurteilen. Entscheide sollten bewusst und ohne Stress gefällt werden. Es hilft, wenn die Entscheidungspunkte und –kriterien bereits bei der Planung festgelegt werden. Es ist darauf zu achten, dass überhaupt Entscheidungsfreiheit besteht (nicht: keine Möglichkeit langsam abzusteigen, weil sonst die letzte Bergbahn weg ist). Versprechungen, Erwartungen, Gruppendruck, Stress oder Überforderung beeinflussen unsere sicherheitsorientierte Entscheidungsfindung negativ, die Fixierung auf ein Ziel, Wunschdenken oder spontane Bauchentscheide ebenfalls.

Handlung

Viele Unfälle sind auf ein Fehlverhalten der Bergsportler zurückzuführen. Warnungen oder Weisungen werden nicht beachtet oder grundlegende Vorsichtsregeln verletzt. Zwar wird die Situation richtig eingeschätzt und der sicherheitsorientierte Entscheid getroffen, schlussendlich wird aber nicht danach gehandelt. So geht man z. B. trotzdem weiter, wenn die Kollegen unbedingt noch auf den Gipfel möchten, obwohl man eigentlich entschieden hat, umzukehren. Bei Stress, Ermüdung oder Überforderung ist man oft auch motorisch nicht mehr in der Lage, eine Handlung wie geplant durchzuführen und rutscht z. B. beim Abstieg über eine Geröllhalde aus.